≡ Menu

Bürgertum und Boheme: Die Wolfratshauser Bergwaldvillen und ihre Bewohner
HVW, BWV, hören statt lesen Unser Buchprojekt in 100 Sekunden:

 

HVW, Bergwaldvillen, Schmuck
DAS FAHNENSATTLERHAUS
von Harald Staub
 
HVW, BWV, hören statt lesen Hier hören Sie in knapp 45 Sekunden, worum es geht:
 
Zu diesem Haus, von dem nur noch die Überreste eines Brunnens oder einer Zisterne und eines kleinen Erdkellers zu sehen sind, wird die folgende Geschichte erzählt: “Als ein böhmisches Regiment am Beginn der Napoleonischen Kriege hier durchmarschierte und Aufenthalt hatte, sah ein Soldat die Mulde in der westlichen Talwand und äußerte: ‘Wenn ich wieder zurück komme, möchte ich mich dort ansiedeln.’ Er machte den Feldzug mit (Schlacht bei Marengo?) und kam als einer der wenigen glücklich wieder zurück, wahrscheinlich 1810, baute in die Mulde ein Häuschen und übte das Sattlerhandwerk aus” (so in der Schnellrieder-Chronik des Stadtarchivs Wolfratshausen zu lesen).
Der Wahrheitsgehalt dieser Erzählung und der Zeitpunkt der Ansiedlung sind fraglich, da in der Karte Wolfratshausens vom Jahr 1814 mit Ausnahme der Dreifaltigkeitskapelle keine Bebauung im Bergwald eingetragen ist.
  HVW, Bürgertum und Boheme, Fahnensattlerhaus
Erst im „Liquidationsplan“ von 1865 ist ein Haus zu erkennen. Allerdings lässt die Bezeichnung „Fahnensattleranwesen“, die ab 1832 urkundlich belegt ist, darauf schließen, dass hier tatsächlich einmal ein Sattler in militärischen Diensten tätig war. Dieser erste urkundliche Nachweis von 1832 ist ein Sitzungsprotokoll des Magistrats . . .

DER KUNSTMALER HERMANN NEUHAUS
von Waltraud Gschwendtner und Harald Staub

Hermann Neuhaus wurde 1863 in Barmen geboren und kam 1901 mit seiner Frau nach Wolfratshausen. Er hatte Malerei in Düsseldorf, Brüssel und München studiert und war Schüler von Franz von Lenbach und Fritz von Uhde. Er beschäftigte sich intensiv mit religiösen Themen und Motiven.

Die künstlerische Ausgestaltung der Evangelischen Kirche in Wolfratshausen, an deren baulicher Gestaltung er ebenfalls beteiligt war, sah er – wie er selbst gegenüber Josef Schnellrieder äußerte – als seine Lebensaufgabe an. Von der Ausmalung, an der er insgesamt 20 Jahre gearbeitet hat, ist leider nur noch das Bild der Bergpredigt erhalten. Das ehemalige Altarbild wird im Wolfratshauser Heimatmuseum aufbewahrt. Für die Figuren seiner Motive haben Hermann Neuhaus seine Frau, Wolfratshauser Bürger und Kinder und Fremde Modell gestanden.

HVW, Hermann Neuhaus, Fresko des Stollwerck-Mausoleums

Hermann Neuhaus: Fresko des Stollwerck-Mausoleums
in Hohenfried in der Nähe von Feldkirchen-Westerham

Ein weiteres, weniger bekanntes Hauptwerk ist im Mausoleum der Familie Stollwerck in Hohenfried in der Nähe von Feldkirchen-Westerham zu finden. Im Gegensatz zu der Wolfratshauser “Bergpredigt”, bei der das Thema des Neuen Testaments in die heimische Bergwelt übertragen wurde, zeigt das große Fresko über den Sarkophagen der Eheleute Stollwerck und ihrer Adoptivtochter Carlita die Auferstehung Christi als Szenerie im Heiligen Land mit der Silhouette Jerusalems im Hintergrund. Möglicherweise gehen auch die Baupläne für diese als Stätte geistlicher Erbauung geplante “Schokoladenkirche” (im Volksmund als Anspielung auf die geschäftlichen Aktivitäten des Stifters wohlwollend gebrauchte Bezeichnung) auf Hermann Neuhaus zurück.
Belege dafür existieren allerdings nicht mehr . . . Weiterlesen

 

HVW, Bergwaldvillen, Schmuck

Das nächste Kapitel – ab 24.4.21 abrufbar:

DIE LUTZ-VILLA
von Edgar Frank

Wenn man die Stufen des Eichheimwegs – an der Pfarrkirche vorbei – hinaufsteigt, nähert man sich einem Gebäude, das Villa zu nennen schon wegen seiner Kleinheit sich eigentlich verbietet.

HVW, Bürgertum und Boheme,  Lutz-Villa

Die Gestaltung der Giebelseite mit dem Balkon und den harmonisch angeordneten Fenstern gibt dem Häuschen ein gutes Gesicht. Der gepflegte Garten, die Blumen vor der Türe und auf dem Balkon erwecken den Eindruck, es sei bewohnt.

Aber es ist immer verschlossen, so dass man in das Arcanum einer großen Liebe nicht eintreten, den Blick auf den schlanken Turm der Pfarrkirche und das Alpenpanorama, den die beiden Liebenden genossen, nicht nachempfinden kann.

“Hier lebten und wirkten einen Sommer lang Mai 1897 bis Oktober 1897 Rainer Maria Rilke und seine Gefährtin Lou-Andreas-Salomé” lesen wir auf einer Bronzetafel.

HVW, Bergwaldvillen, Schmuck

Freuen Sie sich auf die Wiederentdeckung wichtiger historischer Wurzeln Ihrer Stadt und schauen Sie dazu immer mal wieder hier vorbei. Dies ist die Reihenfolge der Veröffentlichungen:

Lageplan und Inhaltsverzeichnis Einführung: Der Zeitgeist wohnt im Isartal Die Littig-Villa: Herrschaftshaus und Dienstmädchen Die Lanzinger-Villa: Nikolaus Lanzinger Das Kaminkehreranwesen Die Villa Bella Erich von Kahler und das Haus St. Georg Die Villa Anna Die Villa Alpenblick Die Villa Fortuna Kathis Ruh: Die wechselvolle Geschichte der Villa Panorama Der Gagert-Hof DAS FAHNENSATTLERHAUS – DER KUNSTMALER HERMANN NEUHAUS Die Lutz-Villa D.H. Lawrence und die Villa Vogelnest Die Schnellrieder-Villa: Josef Schnellrieder – ein nicht immer wohlgelittenes Genie Haus Josef-Schnellrieder-Weg 4 Die Amerikaner-Villa Die Restauration zum Bruckmair: “Die Nazis haben uns schon Angst gemacht” – Jugendzeit neben der “Gauschule” – Stand: 17.4.2021

Quelle: © 2005 Historischer Verein Wolfratshausen 2005, 1. Auflage