Historischer Verein Wolfratshausen e.V.
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Oase des Friedens

Die Geschichte einer jüdischen Mädchenschule 1926–1938

HVW - "Wir lebten in einer Oase des Friedens..." - Faltblatt Faltblatt

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REINHÖREN!

HVW, Radiosendung 18.2.14, Bayern 2

Fr, 1.5.15 – 13.30–14 Uhr – Bayern 2/Reihe Land und Leute
Hörbild und Feature von Dr. Sybille Krafft

“Weg mit diesen Judenweibern!”
Geschichte einer Frauenschule auf dem Land

“Wolfratshausen wurde judenfrei!”, schreibt das örtliche Tagblatt nach der so genannten Reichskristallnacht am 9. November 1938. Damit endet die Geschichte einer jüdischen Hauswirtschaftsschule, die einst so hoffnungsvoll begann.

HVW, Wolfratshausen, Kronmühle

Am 1. Mai 1926 wurde die “Wirtschaftliche Frauenschule auf dem Lande” im Isartal eröffnet. Hier sollten jüdische Mädchen auf ihre künftige Aufgabe als Hausfrau und Mutter vorbereitet werden. Anfangs waren es acht, später bis zu 100 Schülerinnen, die in dem Pensionat unterrichtet wurden. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme entwickelte sich die Ausbildungsstätte immer mehr zu einem Zufluchtsort für jüdische Mädchen, die von ihren Schulen vertrieben wurden.

Schon vor 1933 war das “Judenheim” nicht bei allen Wolfratshausener Bürgern gern gesehen. Aber erst unter dem nationalsozialistischen Regime begannen sich steigernde Drangsalierungen. Wiederholt wurde der Bürgermeister bei der Regierung vorstellig, um eine Schließung der Schule zu erreichen. Das Pogrom vom 9. November bot ihm dann die lang ersehnte Gelegenheit, die “Judenplage” los zu werden. Lehrerinnen und Schülerinnen wurden gezwungen, innerhalb von zwei Stunden die Stadt zu verlassen. Gemeinsam mussten sie mit der Isartalbahn nach München fahren. An der Endstation warteten vier Gestapo-Männer in Zivil.
Sybille Krafft schildert die bewegende Geschichte der Schule und verfolgt die Spuren der aus Wolfratshausen vertriebenen Frauen. – Text: © BR – Foto: HVW/Stadtarchiv Wolfratshausen

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Kirsten Jörgensen 1961–2014
Aus dem Nachruf von Sybille Krafft – November 2014
Kirsten war eine furchtlose Frau. Sie fürchtete sich nicht vor Autoritäten, sie fürchtete sich nicht davor zu widersprechen, sie fürchtete sich nicht davor einen eigenen, unbequemen Weg zu gehen, und sie hat sich letztlich auch nicht vor ihrem Tod gefürchtet . . .
 
HVW, Kirsten Jörgensen   . . . Um die Jahrtausendwende haben wir uns kennengelernt und gemeinsam mehrere Ausstellungen entwickelt: über die jüdische Mädchenschule von Wolfratshausen, über die Geschichte der Kinderarbeit und über das Schicksal der Menschen vom Lager Föhrenwald.

Damit hat Kirsten eine sichtbare Spur hinterlassen – ihr Name wird mit diesen besonderen Projekten verbunden bleiben, als Teil des künftigen Erinnerungsortes “Badehaus” in Waldram-Föhrenwald . . .

Foto Kirsten Jörgensen: privat – Foto Windlicht: © Atiketta Sangasaeng / 123rf stockfoto
 

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Termine 2007–2014Der Tassilo-Preis
Architektur/Aufbau der AusstellungGrundriss
Prominente Unterstützung

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HVW Cover "Wir lebten in einer Oase des Friedens ..."

Das Buch zum Projekt
Kirsten Jörgensen und Sybille Krafft
mit zwei Beiträgen von
Dagmar Bäuml-Stosiek

Inhalt • Vorwort • Einführung

144 Seiten, ca. 200 Farbabb.
Preis: 22 €
Verlag Dölling & Galitz
ISBN 10: 3-937904-52-2
ISBN 13: 978-3-937904-52-8

Für die Bildungsarbeit in bayerischen Schulen ist die broschürte Ausgabe in größerer Stückzahl kostenlos bzw. gegen eine Schutzgebühr über die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit erhältlich.
 

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DAS PROJEKT
Seit Sommer 2002 erforscht ein ehrenamtliches Team – Dagmar Bäuml-Stosiek, Gisela Egelhaaf, Hannelore Greiner, Christine Noisser, Marlene Petsch – des Historischen Vereins Wolfratshausen e.V. unter Leitung von Dr. Sybille Krafft und Kirsten Jörgensen† die Geschichte der jüdischen Haushaltsschule in Wolfratshausen (1926–1938).
Es handelt sich dabei um eine Kooperation zwischen dem Historischen Verein und der Kirchengemeinde Wolfratshausen. Die Herstellungskosten für die Produktion einer bundesweiten Wanderausstellung übernahmen das Bundesfamilienministerium sowie weitere Förderer.

Die Ausstellung wurde gefördert im Rahmen des Aktionsprogramms “Jugend für Toleranz und Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus” des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, durch die Bayerische Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit, den Bezirk Oberbayern, die Kulturstiftung der Kreissparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Bayern, die Stadt Wolfratshausen u.a.m.

DIE SCHULE
Es war eine besondere Schule in einer besonderen Zeit. Ursprünglich sollten hier die jungen Frauen lernen, einen jüdischen Haushalt nach rituellen Regeln zu führen, und sich auf weiterführende wirtschaftliche, soziale und pädagogische Berufe vorbereiten.
Während der NS-Zeit entwickelte sich die Schule dann zu einem Zufluchtsort. Junge Mädchen aus dem gesamten Deutschen Reich kamen hierher, um sich vor Anfeindung und Ausgrenzung zu schützen oder sich auf ihre Auswanderung vorzubereiten.
Die landwirtschaftliche Ausbildung, die in Wolfratshausen einenbesonderen Stellenwert einnahm, wurde später für viele Schülerinnen geradezu überlebensnotwendig, bildete sie doch eine der Voraussetzungen für ein Visum ins rettende Ausland.
In der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 wurden alle Schülerinnen und Lehrerinnen gewaltsam vertrieben. Die Schule wurde geschlossen.

DIE ZEITZEUGINNEN
Im Zentrum der Ausstellung stehen die Erinnerungen ehemaliger Schülerinnen, die in Israel, USA, England und Kanada mit der Kamera aufgezeichnet wurden.
Ihre Lebenswege und Geschichten vermitteln einen bewegenden, sehr persönlichen Eindruck von der damaligen Zeit. Erinnert wird aber auch an all die Schülerinnen, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

DIE AUSSTELLUNG
Die multimediale Ausstellung thematisiert das Schicksal jüdischer Familien in der NS-Diktatur aus der besonderen Sicht der Frauen und Kinder. Als damals wegweisendes Modellprojekt ist die Schule auch heute von überregionaler Bedeutung.
Die Wanderausstellung ist für Museen, Schulen und Gemeindezentren konzipiert; Bildtafeln, Skulpturen, Video- und Hörstationen vermitteln einen vielschichtigen Zugang zum Thema. Ergänzend sind didaktische Unterrichtsmaterialien vorhanden.
Ein Begleitband ist im Verlag Dölling & Galitz in Kooperation mit der Bayerischen Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit erschienen.

DER TASSILO-PREIS

HVW-Arbeitsgruppe Jüdische Spurensuche 10.4.2008

Am 10. April 2008 erhielt die Arbeitsgruppe “Jüdische Spurensuche” des Historischen Vereins Wolfratshausen den Tassilo-Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung für das Projekt “Wir lebten in einer Oase des Friedens …”.
Die Laudatio hielt Regisseur Oliver Storz im Festsaal des Süddeutschen Verlages.

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