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Nantwein

NANTWEINER DENKMÄLER: ORTSHEILIGER – KIRCHE – FRIEDHOF
Führung am 11.9.16 zum Tag des offenen Denkmals
mit Paul Brauner, Bernhard Reisner und Wolfgang Schäl-v. Gamm

Am Hinrichtungsplatz des Conradus Nantovinus steht heute die 1624 geweihte Nantweiner Kirche, zu der Pilger aus nah und fern kamen und auf Heilung ihrer Krankheiten hofften.

HVW, Programm 2016, 8.10.16, Nantwein

Gedenktafel für Conradus Nantovinus an der Münchner Straße 10 in Wolfratshausen
Kirche St. Nantwein, Stich aus dem Sulzbacher Kalender 1861
Nantovinus im Kerker, spätromanisches Sandsteinrelief, heute im linken Bereich der Nantweiner Kirche

Die Legende des Wolfratshauser Ortsheiligen und die Ausstattung der Barockkirche wurden bei unserer Führung ebenso thematisiert wie die Entstehungsgeschichte des Nantweiner Friedhofs und die Begräbniskultur in unserer Gegend. Abschließend besuchten wir noch ausgewählte Gräber.

HVW, Fotos Nantwein 11.9.16 Fotos von Dr. Kaija VossText von Wolfgang Schäl-v. Gamm

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Geschichte und Geschichten aus Nantwein
– vorgestellt von Bernhard Reisner

Herzog Rudolf, der älteste Sohn Herzog Ludwigs des Strengen, residierte um 1286 auf der Wolfratshauser Burg. Er hatte den harten, ungerechten und raffgierigen Pfleger und Verwalter Ganter eingesetzt.
Ganter verkehrte mit seinen Gefolgsleuten öfters in der Herberge und Schankwirtschaft “zum feurigen Lindwurm” in Wolfratshausen.
Geführt wurde die Schänke von einer gottlosen Wirtin, die bereits vier Mal verheiratet gewesen war und jedes Mal ihren Mann vergiftet hatte.

Konrad Nantvin, ein Pilger aus dem Norden, kam 1286 durch Wolfratshausen und stieg in der besagten Herberge ab. Er wäre nicht weiter aufgefallen, hätte er neben seinem schlichten Pilgergewand nicht einen prächtigen Schimmel und eine offensichtlich gut gefüllte Geldkatze dabei gehabt.
Schnell erfuhr der Pfleger Ganter von dem Mann mit dem Schimmel, und er versuchte, das Tier durch Tausch oder Geld in seinen Besitz zu bekommen. Nantvin wollte aber nicht.
Nachdem sich der Pilger zur Ruhe gelegt hatte, begab sich die Wirtin durch einen unterirdischen Gang hinauf zur Burg. Ganter überredete sie, die Anklage vorzubringen, dass Nantvin ihren behinderten Sohn verführt hätte. Weiterlesen . . .

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Das legendenumwobene “Nantovinus-Haus” oder “Spitzbärtl-Anwesen” (Münchner Straße 10–12) wurde 1934 abgebrochen. Es war eines der wenigen Häuser im Markt, die einen Keller hatten. Vielleicht war das ein Grund, hier einen Kerker zu vermuten.

Nantwein, Wolfratshausen - Spitzbärtl-Anwesen

In einem technischen Gutachten der Regierung von 1862 heißt es: “Es will nicht in Abrede gestellt werden, dass vielleicht das Gefängnis (des Nantwein) im Jahre 1286 auf der angegebenen Stelle gestanden haben mag. Allein von jenem Bau steht wahrscheinlich kein Stein mehr auf dem anderen.” Man sagt, dass vor rund 150 Jahren Schulkinder in dem Keller wöchentlich einen Rosenkranz beten mussten. Zum ersten Mal in den Akten “greifbar” ist das Haus, als es 1794 an den Tagwerker Bartlmee Schmid verkauft wurde. Möglicherweise war das Gebäude schon da sehr alt.
Erst ab 1799 – als Hausnummern eingeführt wurden – können steuerpflichtige Bürger bestimmten Häusern zugeordnet werden, außer es ist eine genaue Beschreibung vorhanden.
Quelle: Stadtarchiv Wolfratshausen; Zeichnung nach einem Foto vor 1934

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